Von Johannes Braun.
Im Zuge der neuen Räumlichkeiten des Geschichtsvereins im historischen Kloster sind auch einige Steine aus dem Klosterbereich ausgestellt, die bei der Kirchenrenovierung 1961-65 gefunden wurden. Es handelt sich um ein Würfelkapitell, Teile eines Säulenschaftes und eine Säulenbasis. Mit diesen Fundstücken lassen sich die Fensterarkaden des romanischen Kreuzganges der Kirche rekonstruieren.
Die Fenster waren als Doppelarkaden gestaltet, so wie man sie in den Schallarkaden der Türme im Westwerk der Kirche und als Doppelarkaden in der Michaelskapelle der Kirche findet. Nimmt man 7 dieser Arkaden und stellt sich eine flache Eichendecke dazu vor, hat man den Zustand des Kreuzganges um ca. 1150.
Aber auch Klosterkreuzgänge waren dem Zeitgeschmack unterworfen und galten manchmal als altmodisch, so auch in Ilbenstadt. Es kam die Gotik und so wurde der Kreuzgang zwischen 1300 und 1350 neu gestaltet. Auch hier helfen Steinfunde aus der gotischen Zeit, die ebenfalls ausgestellt sind, um den gotischen Kreuzgang zu rekonstruieren. Es handelt sich um Bruchstücke gotischer Kelchblattkapitelle, Teil eines Maßwerkfensters, ein floral verzierter Gewölbeschlussstein. Zusätzlich hat man gotische Bodenfliesen mit 8 verschiedenen Dekoren unterschiedlichen Alters gefunden.
Der Gewölbeschlussstein zeigt, dass die Decke mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe ausgestaltet war. Dies korrespondiert mit den Knospenkapitellen, die auf vorgelagerte Dienste aufgesetzt waren und das Gewölbe trugen.
Um einen lichtdurchfluteten Raumeindruck zu erreichen, wurden die romanischen Doppelarkaden entfernt und durch 3-teilige Maßwerkfenster ersetzt, die mit Kreismuster (Mehrfachpass) verziert waren. Das Steinfragment zeigt deutlich die dreigliedrige Struktur der Maßwerkfenster.
Der Fußboden war mit Tonkacheln gefliest, von denen 8 verschiedene Dekore gefunden wurden: Von den einfachen fischähnlichen Muster von ca. 1280 über verschiedene Blumenmuster bis hin zu dem geometrisch verschlungenen Kreismuster von ca. 1400.
Setzt man all diese Komponenten zusammen, erscheint vor dem geistigen Auge der gotische Kreuzgang.
So öffnet sich mit den ausgestellten Steinfragmenten ein Blick ins Mittelalter wie durch ein Schlüsselloch.