Wetterauer Zeitung, Foto von Kim Luisa Engel
Technisch gut ausgestattet: Rolf Burkholz in seinem Arbeitszimmer. Foto (c) Kim Luisa Engel
08.11.2023

Filmvortrag Rolf Burkholz: "80 Jahre Assenheim"

Wetterauer Zeitung:
"Niddatal: Geschichtsverein zeigt heute Abend den Film
»80 Jahre Assenheim« von Rolf Burkholz"

Stand: 08.11.2023, 08:00 Uhr
Von: Kim Luisa Engel

Das Hobby von Rolf Burkholz ist es, Filme zu machen. Sein neustes Projekt »80 Jahre Assenheim« führt der Geschichtsverein heute Abend vor. Das Archiv des 87-Jährigen kann sich sehen lassen.

Das Arbeitszimmer von Rolf Burkholz ist auf Anhieb als solches zu erkennen. Auf dem Schreibtisch stehen zwei Bildschirme. Links und rechts daneben stapeln sich DVD-Player und Videorekorder. Seine sieben Kameras stehen unter einem Schrank, in dem zahlreiche VHS-Kassetten liegen. An den Wänden hängen Plakate von den Vorführungen seiner vielen Filme. 23 davon hat der 87-jährige Assenheimer bisher digitalisiert. Sein jüngstes Projekt - »80 Jahre Assenheim« - zeigt der Niddataler Geschichtsverein, in dem Burkholz Mitglied ist, heute Abend, 8. November, im evangelischen Gemeindehaus. »Der Film beginnt 1935«, erklärt Burkholz. Die ersten Szenen zeigen einen Selbstversorger-Bauern aus der Hintergasse. »Sie waren so arm, dass sie sich keine Pferde leisten konnten«, sagt Burkholz. Stattdessen hatte der Bauer, so ist es im Film zu sehen, zwei Kühe angespannt. Die geben nämlich zusätzlich Milch und später Fleisch. Das alles erklärt er auch in seinem Film, für den er einige Tonspuren eingesprochen hat.

»80 Jahre Assenheim«: Rolf Burkholz arbeitet halbes Jahr daran

Die Szenen in schwarz-weiß, die den Bauer zeigen, hat dessen Verwandter aus Köln aufgenommen. Der Urenkel des Bauern, Walter Hensel, hat sie Burkholz gegeben. »Alle Farbaufnahmen im Film stammen von mir«, sagt Burkholz. Zudem zeigt der Film viele Bilder, die er über die Jahre zusammengetragen hat. »Ich habe etwa 1000 Bilder für alle meine Filme gesammelt.«

Der Film geht eineinhalb Stunden lang. Daran gearbeitet hat Rolf Burkholz ungefähr ein halbes Jahr. »80 Jahre Assenheim« zeigt viele bedeutende Momente und Schlaglichter aus dem heutigen Ortsteil von Niddatal sowie der Umgebung. Die Eisenbahnbrücke, das alte Schwimmbad, die alte und die neue Wetterbrücke, den Campingplatz. Es ist zu sehen, wie das Silo 1941 mit Tarnfarbe bespritzt wurde, um es vor Fliegerangriffen zu schützen.

»80 Jahre Assenheim«: 1000 Bilder, 120 DVDs und 90 Videokassetten

Auch der Neubau der Brücke beim Alten Rathaus ist dokumentiert. »Da hat jemand einen Stein aus dem Gewölbe geholt und die ganze Brücke ist eingestürzt«, erinnert Burkholz sich. Das Ehrendenkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs ist einst nach einem Autounfall zusammengekracht - auch davon gibt es Bilder. Mehr über den Film sei an dieser Stelle nicht verraten.

Burkholz privates Archiv besteht neben den 1000 Bildern aus 120 DVDs und etwa 90 Videokassetten mit seinen eigenen Filmaufnahmen. Die Kartons sind zwar mit Jahreszahlen beschriftet, bis er aber die richtige Szene für einen seiner Filme gefunden hat, kann es schon mal ein bisschen dauern. »Ich suche öfter mal etwas länger.« Und dann muss er ja noch entscheiden, was drin bleibt und was dem Schnitt zum Opfer fällt.

»80 Jahre Assenheim«: Filmemachen als Hobby seit 1970

»Das Filmemachen ist seit 1970 mein Hobby«, sagt der 87-Jährige. Wie das geht, hat er sich selbst beigebracht. In der Zeit hat der Elektromeister sieben verschiedene Kameras benutzt und so manchen Wechsel mitgemacht. »Man muss sich umstellen, bei der Technik gibt es ja ständig etwas Neues«, sagt Burkholz. Die Filme macht er zur Entspannung und auch, damit alles für die Nachwelt festgehalten wird. »Deshalb bin ich Mitglied im Geschichtsverein.«

Rolf Burkholz ist in Assenheim geboren und aufgewachsen, wohnt seit 1962 mit seiner Frau Elfi in dem Haus, das sie dort gebaut haben. Der 87-Jährige war in den 80 Jahren Assenheim natürlich hautnah dabei. »Mir ist das alles bekannt, ich kann mich an vieles erinnern«, sagt er. Den Bauern zum Beispiel habe er selbst gekannt. Aus Vorführungen seiner anderen Filme weiß er: »Wenn solche Szenen kommen, die die Älteren kennen, gibt es erstmal Gemurmel.«

Bisher gab es immer gute Reaktionen auf seine Filme. Der erste, »Assenheim bis 2000«, sei so gut angekommen, dass sie ihn gleich drei Mal gezeigt hätten. Auch für heute Abend wünscht Rolf Burkholz sich »nur, dass der Film den Leuten gefällt und so manche Erinnerung weckt«. Und mit den Filmen möchte er so lange weitermachen, wie er eben kann.

Info: Der Film

Heute Abend, 8. November, zeigt Rolf Burkholz seinen Film »80 Jahre Assenheim« um 19 Uhr im Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde Assenheim (Hauptstr. 29-31). »In der Veranstaltung des Geschichtsvereins Niddatal begegnet dem jüngeren Betrachter eine längst versunkene Welt. Ältere werden dagegen Bilder aus Kindheit und Jugend wiedersehen oder vielleicht neu entdecken«, heißt es in der Ankündigung.